Wir alle kennen das Bild vom Hund mit dem Frauchen oder Herrchen, die sich gleichen wie Zwillinge, wäre der Hund ein Mensch oder der Mensch ein Hund. Doch meistens passt sich der Hund dem Mensch an, in ganz seltenen Fällen umgekehrt. Ein einfaches Beispiel: Wenn er es gewohnt ist von Frauchen oder Herrchen viele Guetsli zu erhalten, weil sie oder er sie selber gerne mögen und die Spaziergänge gerade mal bis zur Bäckerei reichen, kann man davon ausgehen, dass beide etwas träge sind.
Wenn der Hund daraus ein gesundheitliches Problem entwickelt und keine Behandlung bei ihm anklingt, kann man sich fragen, warum ist das so? Liegt es am Tiertherapeut, am Hund oder bei seinem Frauchen oder Herrchen selbst? Ein Medikament aus der Schulmedizin kann vielleicht die Beschwerden kurzfristig zum Verschwinden bringen, aber später eventuell noch stärker hervortreten. Ein Mittel aus der Alternativmedizin braucht viel mehr Wirkungszeit. Oft sind mehrere Impulse nötig, um einen gesundheitlichen Schaden, der chronisch geworden ist, zu lindern. Nicht nur das, sondern allem voran ist die Bereitschaft von Frauchen oder Herrchen für eine Veränderung im Alltag notwendig, um ihrem Hund zu helfen. Denn wie ist eine Genesung des Hundes möglich, wenn er weiterhin täglich viele Guetsli erhält und die Spaziergänge bis zur Bäckerei führen, mit Ausnahme vielleicht noch zur nächsten Migros?
Das bedeutet einerseits seine menschlichen Gewohnheiten zu durchbrechen, die einem Tier auf die Länge emotionalen oder körperlichen Stress bereiten können. Anderseits heisst das auch, sich nicht nur auf das Problem zu fokussieren. Zum Beispiel: Der Hund kratzt sich täglich wie verrückt an den Ohren und ich schaue nur diesem Kratzen zu und weiss nicht was ich tun soll. Hilft ihm das?
Damals an der Kunstschule habe ich gelernt, dass die Betrachtung eines Objektes und wie es beleuchtet wird, eine wichtige Rolle für die Wiedergabe des Objektes und sein „Glänzen“ spielt. Obschon es sich immer um dasselbe Objekt handelt, kann das Resultat sehr unterschiedlich ausfallen. Am erfolgreichsten ist das Objekt aus allen Richtungen zu betrachten und seine Materie bis ins Tiefste zu erkennen. So ist es auch beim Tier. Eine bestmögliche Heilung kann nicht nur durch fachliche Kompetenz erfolgen, sondern entscheidend ist, wie betrachtet Frauchen oder Herrchen sein Tier? Wird nur das Ohr, bzw. das Problem betrachtet oder wird es von allen Seiten gesehen? Wird es hell beleuchtet, damit es glänzen darf oder bleibt es im Dunkeln?
