Wenn die Tierkommunikation zum Krimi wird

Fallbeispiele

Um die Fasnachtzeit 2023 klingelte das Telefon. Eine sympathische Frau meldete sich bei mir wegen ihres Katers, der seit einer Woche verschwunden war. Ich liess sie wissen, dass ich grad eine Pause mache mit vermissten Tieren, sie aber gerne weiterleiten würde. Oh schade, warum denn? Ich antwortete sehr direkt. Die Tiersuche stelle sich manchmal als ziemlich undankbar heraus, denn unabhängig davon, ob das Tier nun gefunden werde oder nicht, würden die Halter oft einfach nicht bezahlen. Ausserdem werde der ganze Stress leichtfertig auf mich abgeladen, als ob ich für alles verantwortlich wäre. Sie meinte, da müsse ich mir keine Sorgen machen. Stressig sei es bestimmt, aber wie auch immer das Resultat ausfalle, sie werde bezahlen und ganz klar ihre Verantwortung übernehmen. Sie wäre so froh, wenn ich mit ihrem Kater reden würde, da sie mich ja auf Empfehlung hin angefragt habe. «Gut, ich versuche es», versprach ich.

Das Gespräch mit dem Kater war genau so offen wie mit seiner Halterin. Er teilte mir mit, er sei in eine Garage gesperrt worden. Er hätte kaum zu fressen und zu trinken. Er lecke Feuchtigkeit an der Wand. Er wäre sehr hungrig. Durch ein ganz kleines Fenster blicke er nach draussen, sehe und höre Menschen. Zum Glück, denn das vertreibe ihm auch ein bisschen die Langeweile und die Panik, die ihn manchmal überkomme. Er habe fest Angst und wolle nach Hause. Die Garage sei nicht weit von seinem Haus entfernt, soweit er sich erinnern könne, sei es ein gelbes Haus. «Danke, du Süsser, ich leite das gerne deiner Familie weiter, die höchst besorgt um dich ist».

Die ganze Familie suchte ihn, wann immer sie konnte. Sie suchte ihn in der Nähe, aber auch weiter weg. Denn eine Nachbarin meinte, sie hätte den Kater im Dorfzentrum gesehen, was jedoch ganz und gar nicht zu seinen Gewohnheiten passt. Es verstrichen Tage und Nächte, doch weit und breit kein Kater. Eine ganze Woche verging, in der wir alle, ich eingenommen, Albträume hatten, als er plötzlich ganz eingeschüchtert und abgemagert vor seiner Haustüre stand. Es war, als wäre er vom Erdboden verschluckt und wieder ausgespuckt worden. Sichtlich musste er etwas ganz Übles erlebt haben. Ich durfte ihn kinesiologisch austesten und behandeln, so dass er emotional und körperlich schnell wieder auf die Beine kam. Die Halterin erzählte mir, wie sie einen anonymen Drohbrief, dem später noch ein zweiter folgte, erhielt. Darin stand, dass sie alle Glück gehabt hätten, dass der Kater wieder bei ihnen sei. Beim nächsten Mal käme er nicht mehr lebendig zurück. Es ist kaum vorstellbar, dass jemand fähig ist, solch grausame Drohungen auszustossen.

Fast genau ein Jahr später rief mich die Frau erneut an: «Unser Kater ist seit ein paar Tagen wieder verschwunden.» Ich: «Er ist doch wieder am selben Ort wie letztes Jahr, aus Sicht der Katze» Nach meiner kurzen Aussage folgte ein erneutes Gespräch mit dem Kater. Er teilte mir mit, dass er sich wieder in der Garage befinde, ca. 80 Schritte von seinem Zuhause entfernt. In der Garage stehe viel Gerümpel herum und er sehe wieder durch dieses kleine Fensterchen. Er sehe auch immer wieder ein silbriges Auto. Er habe gehört, wie eine tiefe, männliche Stimme sagte: «Denen zeige ich es». Er sagte mir auch, er werde benutzt, um seinen Menschen etwas zu leide zu tun. Ich war ziemlich baff, leitete dies aber unverändert weiter. Noch am selben Abend suchte die Familie alle Garagen in der Nähe ab und tatsächlich hörte die Frau ein quälendes Miauen aus besagter Garage, ca. 80 Schritte von ihrem Haus entfernt. Sie riefen sofort die Polizei, die daraufhin das Tor aufschloss und den Kater befreite. Zum Glück konnte ihn die Frau hören! Ich war so schockiert über all diese Ereignisse, dass ich den ganzen darauffolgenden Tag kaum reden konnte. So etwas darf doch nicht einfach vom Tisch gefegt werden!

Die Polizei sagte der Familie, es wäre schwierig, Klage zu erheben, da keine Beweise vorlägen. Oder weil es sich «nur» um eine Katze handelt? Trotzdem hat die Familie aus einem Gefühl der Gerechtigkeit heraus Anzeige gegen Unbekannt mit Verdacht erhoben. Ich hoffe, dass so etwas nie wieder vorkommt und schon gar nicht ein unschuldiges Wesen benutzt wird. Dass nicht alle Menschen mit Tieren reden können, ist verständlich, aber Menschen mit Menschen?